Montag, 15. Januar 2018

Stephen King / Owen King - Sleeping Beauties (der Tragödie 2. Teil)

Meine Wertung: ★★☆☆☆ 2/5

Autor: Stephen King

Titel: Sleeping Beauties

OT: Sleeping Beauties, 2017

Verlag: Heyne

ISBN: 9783453271449

Deutsche Erstausgabe 2017

Seiten: 958

Einband: Gebunden

Genre: Fantasy

Dazu passt: ein bequemes Bett



Der Tragödie 2. Teil

Bereits bei Gwendys Wunschkasten kam ich nicht umhin, mich zur mangelhaften Übersetzung zu äussern.
Als ich dann bei Sleeping Beauties "bass erstaunt" erneut lesen musste, wurde mir klar, noch ehe ich den Namen des Übersetzers gelesen hatte, es musste sich um den selben antiquierten Menschen handeln, wie schon bei Gwendys Wunschkasten. Doch ich sollte mich irren.
Für die Misshandlung von Gwendys Wunschkasten hat sich Ulrich Blumenbach zu verantworten. Für das orthographische Desaster in Sleeping Beauties jedoch Bernhard Kleinschmidt.
Dies brachte mich dann zu der Frage, ob eventuell gar nicht die Übersetzer ihren Kopf auf den Richtblock legen und um einen sauberen Hieb bitten müssen, sondern eventuell doch eher das Lektorat? Sitzen beim Heyne plötzlich nur (noch?) nahezu fossile Lektoren? Wer trägt die Schuld?
Da die Suche nach dem Schuldigen ins Leere laufen würde, befassen wir uns doch mit dem wahren Horror in diesem Buch. Mit der grausamen und sadistischen Verstümmelung der Orthographie.

Liegt es daran, das ich Deutsch unterrichte und mir Fehler daher eher noch auffallen, als manch anderem Menschen?
Die Diskussionen auf Facebook haben mich dann doch beruhigt. Unter Anderem in der Stephen King Gruppe diskutierten wir über Fehler in diesem Buch.

Natürlich habe ich sie nicht Alle fotografiert, denn das hätte den Rahmen dieses Eintrages gesprengt. Hier eine Auswahl.

 Die Wände waren aus glattem, hellbeige Zement. Seit wann wird in einer Folge aus Adjektiven nur noch das erste dekliniert? Machen wir uns doch den Spass:
Sie hatte grüne, wunderschön Augen. 
Der blaue, weit Himmel.
Die Boeing 747 ist ein grosses, wunderschön Flugzeug.
Klingt seltsam? Mhm... wieso fällt das dem Lektorat nicht auf?
Die Wände waren aus glattem, hellbeigem Zement.

Hier ansonsten noch ein Ausschnitt zur Adjektivdeklination von beige aus Duden:


Machen wir jedoch weiter mit der Syntax. 
Bereits in der Primarschule lernen wir hierzulande, dass der doppelte Gebrauch eines Wortes zu vermeiden ist - auch (oder besonders?) bei reflexiven Verben.
Schliesslich räusperte er sich und entschied sich.
Wie wäre es alternativ mit: Schliesslich räusperte und entschied er sich.?


Wie ich umgangssprachliche Ausdrücke in solchen Büchern doch verabscheue!
Genau deswegen ist Risa Wattayas eigentlich wunderbarer Roman Hinter deiner Tür aus Papier bei uns gefloppt. Die Übersetzerin hat ihr Bestes gegeben und so hatte man nicht den Eindruck eine Geschichte, welche in Japan spielt zu lesen, sondern man fühlte sich in Deutschland. Und DAS ist es ja, was wir wollen, wenn wir einen Japanroman lesen, nicht wahr? Sarkasmus aus.

dröge
Wortart: Adjektiv
Verwendung: Norddeutsch (gottseidank leben wir alle im Norden Deutschlands)
Bedeutung: trocken, langweilig, reizlos


 ...eine ältere Kalkfaktorin, die lebenslänglich hatte. 
Wäre "lebenslänglich" hier nicht als Substantiv zu behandeln? Eine lebenslängliche Haftstrafe. Sie hatte Lebenslänglich.


Und hier... mein absoluter Favorit! Wie oft im Lektorat auf Akkusativ und Dativ geschissen worden ist (bitte entschuldigt diese vulgäre Ausdrucksweise, aber es macht mich rasend), habe ich irgendwann zu zählen aufgegeben.
Mir ist bewusst, dass es laut Duden (seit wann eigentlich???) in Ordnung ist, dass man, egal um welchen Fall es sich handelt, einfach jemand schreibt. Es mag in Ordnung sein, weil die Rechtschreibereformen, die Faulheit belohnen. Wie kann man, als Verlag so etwas gutheissen? Meiner Meinung nach, hat ein Verlagshaus auch eine gewisse Verantwortung dem Erhalt der deutschen Sprache gegenüber und sollte es besser wissen.
Wenn so etwas hier zur Normalität verkommt, wieso sagen wir dann den Kasus nicht gleich Lebewohl? Wieso nutzen wir dann nicht fortan nur noch den Nominativ? Verben konjugieren? Wozu? Belassen wir sie doch einfach in der Grundform. Wieso versuchen wir das nicht einfach mal? Verabschieden wir uns von die Fälle, von die ganz Orthographie. Am besten auch gleich von die Artikel. Machen wir doch George Orwell's 1984 alle Ehre und beginnen noch heute damit Neusprech sprechen. Fehler in vergangen Sätze sein Absicht. Ich wollen Sprache einfach machen.

Wenn ein Satz den Akkusativ verlangt, dann schreibt (herrschaftnocheinmal) jemanden. Wird der Dativ verlangt, dann schreibt jemandem. So schwierig ist das nicht!
Ich (und zahlreiche meiner entsetzten Lehrerkollegen) weigern uns jedenfalls, so etwas zu lehren! Eher noch würde ich Neusprech unterrichten...


Liebe Leute, noch immer weiss ich nicht, was ein Dienstkoppel sein soll. Duden konnte mir da auch nicht weiterhelfen.
Duden hat mir aber gesagt, dass Koppel (nicht das eingezäunte Weideland), ein zu einer Uniform gehörender breiter Ledergürtel ist.
Ist es nicht herrlich erfrischend, wenn man beim Lesen noch Detektivarbeit leisten und Bedeutungen der Worte suchen muss?



Da ist mir der Gedanke gecho, dass ich auch ein Buch lektorieren oder übersetzen sette und dann einfach Schweizerdeutsch einbauen. Wieso?
Einfach darum, zum dem Leser das Leben echli schwerer zu machen. Um das ganze aber richtig zu würzen, würde ich mir Hilfe im "Wallish" und dem "Bärner Oberlang" reiche. Einfach weil es das ganze noch ein chli oder auch es Müh schwieriger machen würde. Was meint ihr, oh meine Leser hiezue?
Moment, ich muss hurtigschwind die Stegen aben und weidli im Keller ein Möuchmäuchterli go reichen.

Fisimatenten
Wortart: Pluralwort, die Fisimatenten
Verwendung: umgangssprachlich
Bedeutung: Ausflüchte, Umstände













Das kann passieren. Ich habe auch schon zahlreiche Blogeinträge und Kurzgeschichten verfasst und mich dabei vertippt.
Ich spreche vom Gesicht...

...musste er aufstehen und seinen Hinterkopf wiederfinden.
Steht das im englischen Original wahrhaftig so da?


Selten habe ich mich beim Lesen dergestalt aufgeregt, wie hier. Den kommenden King werde ich wohl in Englisch lesen - sollte dieses Chaos beim Heyne-Verlag so weitergehen.

Ich habe von zahlreichen Kinglesern erfahren, dass sie dieses Buch für überteuert halten. Angesichts der Tatsache, dass ich in der Buchbranche tätig war und um deren täglich Überlebenskampf weiss, kann ich ein bisschen Verständnis aufbringen.
In der Schweiz bezahlt man:
Meine treuen Leser wissen, dass ich meine Kingbücher stets kostenlos in Gestalt eines Leseexemplares von der netten Verlagsvertretung bekommen habe. Da ich der Buchbranche nun endgültig den Rücken gekehrt habe, werde ich die künftigen Bücher wieder berappen müssen. 
Dies ist nicht weiter schlimm. Jedoch komme ich nicht umhin anzumerken, dass ich auch bereits für Sleeping Beauties Geld bezahlen musste. Und mit dem Personalrabatt, den ich bei meinem ehemaligen Arbeitgeber noch hatte, durfte ich dennoch! stolze CHF 25.95 anstelle von fast CHF 40.00 bezahlen. Nun schauen wir doch mal dodax.ch an. 
Ist es nicht traurig, dass ich da nur 40 Rappen mehr hätte bezahlen müssen? 😂