Montag, 6. Oktober 2014

Stewart O'Nan - Das Glück der anderen

Meine Wertung:
★★★☆☆ 3/5

Autor: O'Nan, Stewart

Titel: Das Glück der anderen

OT: A prayer for the dying, 1999

Verlag: Rowohlt

ISBN: 978-3-499-23430-9

Deutsche Erstausgabe 2001

Seiten: 220

Einband: Taschenbuch

Genre: Drama

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Stewart O'Nan... ein Name, der Vielen seit Langem geläufig ist. So auch mir. Allerdings hatte ich noch nie das Bedürfnis verspürt, etwas von ihm lesen zu wollen.
Das Schicksal wollte es so, dass ich eine Doku über STEPHEN KING schaute, in der auch Stewart O'Nan, da langjährig Freund King's, interviewt worden ist. O'Nan kam so sympathisch daher, dass ich fand, von diesem Mann muss ich etwas lesen.
Bei uns in der Bestsellerwand standen Die Chance und Emily allein. Da mich an Die Chance einzig die Niagarafälle interessierten und mich bei Emily allein bereits die ersten paar Sätze abschreckten, griff ich zu einem älteren Titel, dessen Thematik wie für mich geschaffen schien: Der Ausbruch eines Seuche in einer amerikanischen Kleinstadt.
Das perfekte Buch also, zur derzeit wütenden EBOLA-Epedemie, nicht?

Geschrieben ist es recht eigenwillig. Der Leser fühlt sich in Sheriff Jacob Hansen hineinversetzt, da es bis zur letzten Seite immer heisst "Du machst... Dir gefällt..."
Wie jede Geschichte um Seuchen, beginnt auch diese recht idyllisch. Es wird ein Leichnam entdeckt. Der Sheriff bringt diesen zum Doktor und schon steht fest, dass es sich um eine Seuche handeln muss. Jacob's Frau möchte mit ihm und der gemeinsamen Tochter in die Stadt fliehen. Jacob verneint, da er als Sheriff, Pastor und Leichenbestatter fungiert und seine Pflichten stets erfüllt hat. Seine Frau bleibt bei ihm. Schliesslich erkrankt die Tochter...

Die Zahl der Toten wächst dramatisch, was zu einer Massenhysterie führt. Der Mensch ist nicht mehr in der Lage klar zu denken und gibt sich blind für alles um ihn herum seinem Selbsterhaltungstrieb hin.
Wir erinnern uns an Stephen King's The Stand - Das letzte Gefecht, wo ein infizierter Wissenschaftler, samt infizierter Familie flieht und das Virus so durch ein paar Staaten der USA schleppt...

Jacob muss sich schliesslich zwischen seinem Glück und dem Wohl der Gemeinschaft entscheiden, was einem so pflichtbewussten Menschen nicht gerade leicht fällt...

Stewart O'Nan hat keinen aussergewöhnlichen Roman geschaffen. Er ist auch nicht "Absolut unvergesslich", wie er von der Zeitschrift Brigitte gelobt wurde (gut, in wie weit eine solche Zeitschrift als Raster des guten Geschmacks dienen soll, sei dahin gestellt). Das Glück der anderen ist ein Roman unter vielen. Möglicherweise liegt es an der eigenwilligen Erzählform, dass ich mit den Figuren einfach nicht warm geworden bin.
Die Verzweiflung der Dorfbewohner hätte auch etwas markanter beschrieben werden können. Dennoch hält man ein sehr interessantes Buch in den Händen, welches wohl das beste unter O'Nan's Büchern ist.
Wer einen O'Nan lesen möchte, sollte damit anfangen oder mit Engel im Schnee. Aber man verpasst nichts, wenn man es nicht liest.

Die 3 Sterne gibt es für die eigenwillige Erzählweise, für das aufkommende Elend in einer Zeit, in der man noch mit Pferd und Wagen unterwegs war.