Sonntag, 7. September 2014

Stephen King - Mr. Mercedes

Meine Wertung:
★★★★★ 5/5

Autor: STEPHEN KING

Titel: Mr. Mercedes

OT: Mr. Mercedes, 2014

Verlag: Heyne (what else -_^)

ISBN: 978-3-453-26941-5

Deutsche Erstausgabe: 2014

Seiten: 591

Einband: Gebunden

Genre: Krimi

Fortsetzung: Finderlohn



Wer glaubt, mit Mr. Mercedes einen Horrortitel in den Händen zu halten, irrt sich. Ich schliesse mich der Meinung Vieler an, und sage, dass das Cover schlecht gewählt ist, lässt es doch Horror vermuten. Bei Mr. Mercedes handelt es sich um einen gut durchdachten Krimi, der teilweise so sarkastisch, bitterböse und herrlich dumm ist, dass einem die Tränen in die Augen steigen und man laut lachen muss.
Wir konnten bspw. unseren Wortschatz erweitern, in dem wir gelernt haben, dass ein Sitzkissen auch ARSCHPARKPLATZ heissen kann -_^

Zum Buch
Wir befinden uns in einer Schlange aus Arbeitslosen, und stehen beim Jobcenter an, um eventuell einen neuen Job - wenn auch nur als Hilfsarbeiter - zu bekommen. Unter uns befindet sich eine Frau mit Baby, die in wenigen Minuten samt Kind sterben wird - überfahren von Brady, der mit dem geklauten Mercedes ein Massaker anrichtet und 8 Menschen ins Jenseits befördert. Wo so manch anderer Autor (Jack Ketchum ausgenommen) diesen kleinen und sabbernden Menschen verschont hätte, lässt King das Baby überfahren. ^_^

Bill Hodges - Detective i.R. erhält einen Brief vom sogenannten Mercedes Killer, in dem er quasi dazu provoziert wird, sich von seinem tristen dasein zu lösen. Hodges hat sich Übergewicht angefressen - oder "angebaut" wie es ihm Buch ausgedrückt wird und verbringt seinen Alltag essend und schlafend vor der Glotze - was ja in Ordnung wäre, wenn man ihn als Schlachtvieh halten würde...
Mit der Hilfe vom Nachbarsjungen Jerome macht er sich auf die Suche nach der wahren Identität des Mercedes Killers. Während der Leser von Anfang an weiss, dass es sich um den netten Eismann handelt, tappt Hodges eine lange, lange, sehr lange Zeit im Dunkeln.

King gewährt uns Einblick ins Brady's Psychose, welche, ähnlich wie bei Annie Wilkes in "Sie", immer tiefer in den Abgrund rutscht und lässt uns an seinen Tagträumen und Fantasien teilhaben.
Dass Brady nicht alle Tasse im Schrank hat, ja dessen Schrank völlig ausgeräumt und bereits zu Staub zerfallen ist, zeigt sich bspw. darin, dass er sich übers ganz Buch hindurch immer mal wieder über Jeromes Familie aufregt. Es handelt sich um Afroamerikaner, die allesamt "weisse" Namen haben - "bis auf den Hund, der hat einen Niggernamen: Odell". Brady ist fassungslos darüber und steigert sich völlig hinein, nahezu jedes Mal, wenn er Jerome oder dessen Schwester oder den Hund sieht.

Obschon ich persönlich keine Krimis mag, habe ich dieses Buch in einem Tag verschlungen! Es lag wohl an King's unverkennbaren Stil, an seinen lebendigen Charakteren, mit denen man gleich zu Beginn mitfiebert und sich in sie hineinversetzen kann und nicht zu letzt an der dazugehörigen Prise Sarkasmus.

Lesen die Layouter, die fürs Buchcover verantwortlich sind, die Bücher eigentlich? Wissen sie um deren Inhalt Bescheid? Ich glaube kaum. Denn anders lässt sich die Verfehlung beim Cover nicht erklären. Als handelte es sich um eine seichte Horrorlektüre...

DER KÖNIG DES HORRORS = STEPHEN KING

Gestern, genauso wie heute, genauso wie morgen...

Dies möchte ich an dieser Stelle erwähnt haben, da ich vermehrt zu hören/lesen bekomme, King hätte ausgedient. So las ich bspw. heute Vormittag auf Facebook (welcher Dämon der Hölle hat dich nur in seinem Zorn erschaffen...), dass Jemand die Unverfrorenheit besessen hatte, folgendes zu schreiben: "Stephen King ist längst nicht mehr der König des Horror - da gibt es Bessere."
Dann musste ich mir gestern anhören, dass King-Fans ihn nicht mehr lesen, weil er nicht mehr gut ist.  Und das kam von Jemandem, der in all den Tagen, die sein mit Fleisch überzogenes Gerippe auf Erden wandelt, noch nie ein Buch vom König gelesen hat. Banausen.
Da tat sich doch der finstere Himmel auf, als ein Mensch (mit beachtlich grosser Ahnung von Literatur), von dem ich es nie gedacht hätte, Lichtstrahlen ins Dunkel schickte, in dem sie meinte, King könne eben schon gut schreiben.
Stephen King war es, der das Zeitalter des Horrorgenre eingeläutet hat. Natürlich gab es vor seiner Zeit bereits Schriftsteller, die sich diesem Bereich widmeten - an der Stelle machen wir eine kurze Pause um dem verehrten H.P. Lovecraft zu huldigen -, doch vermochten diese nicht zu tun, was King geschafft hat... Wer gerne mehr über den König des Horror erfahren möchte, solle sich doch bitte dessen Websites oder Biografien widmen.
Abschliessend sei erwähnt, dass ihm der Titel KING OF HORROR niemals aberkannt werden kann - selbst dann nicht, wenn er sich entscheiden sollte, Romane à la Rosamunde Pilcher zu schreiben, denn was er geschaffen hat, bleibt bestehen. Punkt.